Anpassungen des Umwandlungssatzes

Anpassungen des Umwandlungssatzes

Diskussionen im Stiftungsrat

Es ist bereits zur unangenehmen, wiederkehrenden Routine für den Stiftungsrat geworden: Die Beratung uber die Anpassung des technischen Zinses und des Umwandlungssatzes. Welche Faktoren und Argumente stehen jeweils am Anfang der Diskussion und welche Interessen prallen im Gremium aufeinander?

In kürze

Bei der Finanzierung flankierender Massnahmen öffnet sich der Graben zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Bei der Kommunikation müssen Stiftungsrat, Arbeitgeber und Personaldienst am gleichen Strick ziehen.


Die Stiftungsräte eriedigen ihre Hausaufgaben seit langem gewissenhaft. Sie debattieren nicht bloss über die Höhe ihrer reglementarischen Umwandlungssätze, sondern passen diese auch laufend den wirtschaftlichen und demografischen Gegebenheiten an.

War der seit der ersten BVG-Revision im Jahr 2005 gültige Satz von 6.8 Prozent vor knapp sieben Jahren in der Volksabstimmung noch jeglichen Erosionsbemühungen gewachsen (immerhin knapp 73 Prozent der Stimmbürger lehnten 2010 eine Senkung auf 6.4 Prozent ab), so beinhaltet die Vorlage zur Altersvorsorge 2020 jetzt die überfällige Anpassung auf 6 Prozent. Die Mehrheit der Pensionskassen haben die überobligatorischen Umwandlungssätze längst unter diese Marke gesenkt — ungeachtet politischer Gemächlichkeit auf Bundesebene. Dies aus der Erkenntnis, dass ihre Führungsorgane für die finanzielle Stabilität der Kasse die Verantwortung tragen. Selbst öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen haben, teilweise unter dem zu erwartenden medialen Getöse, massive Senkungen beschlossen.

Den Umwandlungssatz zu senken und damit weniger Rente aus dem gleichen Kapital zu zahlen, macht niemandem Freude. Dass firmeneigene Stiftungen, deren Führungsorganen sicher keine unlauteren Gewinnabsichten unterstellt werden können, die Anpassungen vorantreiben, spricht für die Notwendigkeit der Massnahmen. Auch unabhängige Sammelstiftungen wenden sich vermehrt von einem marketingtechnisch interessanten, aber im Konkurrenzvergleich hohen Satz ab.

Genügend grosses Polster nötig

Alle Diskussionen um die Senkung des überobligatorischen respektive des umhüllenden Umwandlungssatzes können nur dann zielführend stattfinden, wenn gegenüber den Altersguthaben gemäss BVG ein ausreichend grosses Polster besteht. Andernfalls profitiert eine grössere Zahl der Betroffenen vom gesetzlichen Umwandlungssatz.

Beschliesst eine Kasse beispielsweise, die gesamten Altersguthaben mit 5.1 Prozent in eine Rente zu wandeln, entfaltet diese Massnahme erst dann ihre volle Wirkung, wenn die reglementarischen Altersguthaben mindestens ein Drittel über den Guthaben gemäss BVG liegen. Ansonsten trifft ein derart unter dem Gesetz liegender Umwandlungssatz lediglich die Besserverdienenden, da alle anderen durch das BVG geschützt werden.

Senkung des technischen Zinssatzes

Den Diskussionen um den reglementarischen Umwandlungssatz geht in der Regel eine Senkung des technischen Zinssatzes voraus. Der Pensionskassenexperte weist dabei mit Nachdruck auf den Referenzzinssatz hin, der seit der Abstimmung im Jahr 2010 von 4.25 auf 2.25 Prozent gesunken ist. Folglich passt der Stiftungsrat — in der Regel mit bangem Blick auf den Deckungsgrad — den technischen Zinssatz widerwillig an oder bildet zumindest Rückstellungen fur eine künftige Senkung.

Diese bilanzielle Massnahme allein reicht jedoch nicht für die längerfristige Sicherung des finanziellen Gleichgewichts und müsste korrekterweise unter Berucksichtigung des versicherungstechnisch neutralen Umwandlungssatzes erfolgen. Sie bleibt ohne direkte Auswirkung auf die Versicherten, es sei denn, die Verzinsung der Altersguthaben leide unter dem tieferen Deckungsgrad.

Damit die künftigen Verpflichtungen auch tatsächlich den befurchteten geringeren Erträgen und der längeren Rentenbezugsdauer angepasst werden können, führt kein Weg an einer Reduktion des Umwandlungssatzes vorbei. An dieser Stelle droht nun die Minne im Stiftungsrat verloren zu gehen.

Senkung nicht hinauszögern

Anzunehmen, die Arbeitnehmervertreter träten eher für einen hohen Umwandlungssatz im unmittelbaren Interesse der Versicherten und die Arbeitgebervertreter eher zugunsten der finanziellen Sicherheit der Kasse im Interesse der angeschlossenen Unternehmen ein, greift zumindest bei firmeneigenen Pensionskassen zu kurz. Längst haben beide Seiten verstanden, dass es hier nicht um politische Positionen geht, sondern um eine generationenübergreifend korrekte, dem System der Kapitaldeckung entsprechende Zuteilung der in der Vorsorgeeinrichtung vorhandenen Gelder.

Entsprechend verlaufen die Interessen dabei eher entlang der Altersgruppen im Stiftungsrat. Stehen Vertreter selber kurz vor der Pensionierung, sind sie besonders gefordert, einen tieferen Umwandlungssatz nicht hinauszuzögern, sondern sich auf eng befristete Übergangsbestimmungen zu beschränken.

Sind sich die jüngeren Versicherten und insbesondere jüngere Stiftungsräte bewusst, dass die derzeit festgelegten Umwandlungssätze für die Höhe ihrer in ferner Zukunft liegenden Altersrente keine konkrete Bedeutung haben? Vielmehr profitieren insbesondere die unmittelbar vor der Pensionierung stehenden Jahrgänge von rechnerisch zu hohen Sätzen. Es liegt auch in der Verantwortung der Jungen, in der eigenen Pensionskasse nicht derart zögerlich zu reagieren, wie dies die Politik tut. Sie selber werden später die Sanierungsmassnahmen zu tragen haben, sofern die Pensionierungsverluste1 nicht eingedämmt werden können.

Diesbezüglich eine konsequente Linie zu fahren, wird durch Solidaritäten zwischen den Arbeitnehmern unterschiedlichen Alters erschwert. Zusammen an der Werkbank zu stehen oder im Büro zu sitzen und dem älteren Kollegen seine ersehnte Rente beschneiden zu müssen, ist äusserst unangenehm.

Flankierende Massnahmen

Bezüglich der Finanzierung flankierender Massnahmen öffnet sich der Graben zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Ist das Unternehmen zur Unterstützung von Abfederungen bereit, so entlastet dies die Kasse und beschleunigt die allgemeine Zustimmung zur Senkung des Umwandlungssatzes. Da eine gut ausgebaute Altersvorsorge bei der Rekrutierung von Fachkräften zunehmend an Bedeutung gewinnt, liegt das Erreichen des modellmassigen Rentenziels auch im Interesse des Arbeitgebers. Beispielhaft dafür sind die Ausgleichsmassnahmen, wie sie die öffentliche Hand bei der Senkung des Umwandlungssatzes in der Regel vorsieht.

Frühzeitig kommunizieren

Die Kommunikation der beschlossenen Massnahmen hat frühzeitig zu erfolgen, damit die Änderungen planbar sind, und darf nicht dazu führen, dass das Vertrauen in die Leistungen der Pensionskasse beeinträchtigt wird. Hier müssen zwingend der Gesamtstiftungsrat sowie der Arbeitgeber und der Personaldienst am gleichen Strick ziehen.

Die nachfolgenden Artikel im Akzentteil dieser Zeitschrift befassen sich mit verschiedenen Modellen, nach denen eine Senkung umgesetzt werden kann. Sie zeigen, welche flankierenden Massnahmen sinnvoll zur Erhaltung des bisherigen Leistungsziels sind und was bei der Kommunikation an die Versicherten zu beachten ist.

Benno Halter
Trianon Regional Director - Swiss German Market

Quelle: Akzent SPV-Magazin 02.2017

1 Differenz zwischen dem angesparten Altersguthaben zum Zeitpunkt der Pensionierung und dem versicherungstechnisch berechneten Vorsorgekapital für die lebenslange Auszahlung einer definierten Rente.


Art. 14 BVG Höhe der Altersrente
  1. Die Altersrente wird in Prozenten des Altersguthabens (Umwandlungssatz) berechnet, das der Versicherte bei Erreichen des Rentenalters erworben hat.
  2. Der Mindestumwandlungssatz beträgt 6.8 Prozent für das ordentliche Rentenalter 65 von Frau* und Mann.
  3. Der Bundesrat unterbreitet ab 2011 mindestens alle zehn Jahre einen Bericht über die Festlegung des Umwandlungssatzes in den nachfolgenden Jahren.

* Seit 1. Jan. 2005: Rentenalter 64 für Frauen