30 November 2016

Gewitterwarnung für die AHV: Sind die Babyboomer schuld?

Die schweizerische Altersvorsorge mit ihren drei Säulen (AHV, berufliche und private Vorsorge) ist ein Erfolgsmodell. Dabei geht es unserer nationalen AHV seit vielen Jahren recht gut. Doch laut Prognosen des Bundesamts für Sozialversicherungen und zahlreicher Experten wird das nicht so bleiben. Gegenwärtig decken die Einnahmen der AHV die Ausgaben noch, doch ab 2021 werden jährliche Defizite in Milliardenhöhe erwartet, und bis etwa im Jahr 2030 soll der AHV-Fonds, respektive der Ausgleichsfonds der AHV, vollumfänglich aufgebraucht sein.

Die im kommenden Jahrzehnt anstehenden Pensionierungen der in den 1950er- und 60er-Jahren geborenen Babyboomer wird immer wieder als Hauptgrund für den Paradigmenwechsel angeführt. Doch ist die neue Rentnergeneration wirklich die alleinige Verantwortliche?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir uns zunächst vor Augen führen, dass die AHV nach dem Umlageverfahren finanziert wird: Die laufenden Ausgaben – sprich die Rentenzahlungen – werden von den laufenden Einnahmen gedeckt, welche wiederum zum Grossteil durch die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge finanziert werden. Die Leistungen werden somit direkt durch die Beitragszahlungen finanziert. Gestützt auf dieses Prinzip erscheint die Folgerung logisch, dass die Pensionierung einer grossen Zahl von Babyboomern die Relation zwischen den Aktiven (Beitragszahlenden) und den Rentnerinnen und Rentnern (Begünstigten) ins Ungleichgewicht stürzt und die langfristige Finanzierung der AHV infrage steht.

Mit dieser Folgerung macht man es sich jedoch zu einfach. Die anstehende Pensionierung der Babyboomer stellt unbestreitbar ein Problem für die Zukunft der AHV dar – nur ist sie nicht das einzige Problem. Drei weitere Umstände tragen dazu bei, das finanzielle Gleichgewicht der AHV aus dem Lot zu bringen. Auf der Ausgabenseite führt der Prozess der alternden Gesellschaft zu einer stetigen Zunahme der Rentenempfänger, während auf der Einnahmenseite als Folge der eingedämmten Zuwanderung die Beitragszahlungen der Zuzügler unter den aktiven Versicherten schwinden. Als erschwerender Faktor ist die seit Jahren unter Erwarten niedrige Kapitalrendite zu nennen, die insbesondere auf das historisch tiefe Zinsniveau zurückgeht.

Angesichts dieses Zusammentreffens ungünstiger Faktoren kommt die AHV nicht um geeignete Massnahmen herum, die ihre Einnahmen und Ausgaben wieder dauerhaft ins Lot bringen, sodass auch künftige Generationen auf Altersleistungen zählen können. Diese Feststellung mutet umso dringlicher an, als auch die zweite Säule Herausforderungen zu meistern hat, welche zum Teil auf dieselben Ursachen zurückgehen.

Wollen wir das globale Leistungsniveau der Altersvorsorge aufrechterhalten, müssen ausgewogene Lösungen eingebracht werden, die alle Aspekte des Problems miteinbeziehen. Diesem Ziel ist das globale Reformprojekt «Altersvorsorge 2020» des Bundesrats verpflichtet. AHV und berufliche Vorsorge werden gemeinsam in den Blick genommen, damit eine Harmonisierung der Leistungen auf der einen und der Finanzierungssicherung auf der anderen Seite erreicht werden kann.

Alain Bussard